Aartal-Museum bietet Reise durch die Erdzeitalter


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Von Redakteur

Uli Pohl

 

Im September 2011 eröffnete Frank Tänzer das Aartal-Museum in der Hauptstraße in Oberneisen. Jetzt sind nahezu zwei Jahre vergangen, und inzwischen hat das kleine, private Museum durch seine Originalität und Einzigartigkeit einen bundesweiten Ruf. Etwa 700 Besucher kamen bisher in das landwirtschaftliche Anwesen, in dem Frank Tänzer (40) in einem Nebengebäude auf insgesamt 64 Quadratmetern und auf zwei Etagen seltene Fossilien und Mineralien ausstellt.

Exemplare wie versteinerte Tintenfische aus dem Altmühltal oder ein Barsch aus Wyoming sind dort zu sehen. Die ältesten Funde sind 550 Millionen, die jüngsten „nur“ 40 Millionen Jahre alt. „Der Besuch des Museums gleicht einer Reise durch die Erdzeitalter. Die Gäste können die Geschichte nicht nur betrachten, sondern auch anfassen“, beschreibt er seine Privatsammlung, mit der für ihn 2011 ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging.

 

Tänzer ist Mitbegründer des Vereins Arbeitsgruppe Palaeo Geo, ein Zusammenschluss von Hobbysammlern, die sich deutschlandweit und in Frankreich auf die Suche nach Fossilien begeben. Zudem übernimmt der Verein wissenschaftliche Studien für Museen. Nach Oberneisen zog es Tänzer 2006. Er kaufte mit seiner Frau im Ortskern den Bauernhof von Friedhelm Ott. Schon beim Einzug lagen die Pläne für sein Museum in der Schublade, das er in unzähligen Arbeitsstunden selbst hergerichtet hat. Die Vitrinen ersteigerte er günstig bei einer Auktion. Den Umbau finanzierte er aus eigener Tasche.

In der kommenden Woche bricht Tänzer mit Kollegen zu einer Expedition nach Zentralfrankreich auf. Das Ziel ist Menard. Dort haben Tänzer und andere Paläontologen bereits zahlreiche seltene Funde entdeckt, die vor Millionen Jahren im Erdreich verschwanden. „Dann ein Fossil als Erster wieder zu Gesicht zu bekommen, das macht den Reiz unseres Hobbys aus“, berichtet Tänzer. Auf einer dieser Reisen entdeckte er eine Fliege, einen Zweiflügler, der ihn, sein Hobby und das Aartal-Museum vielleicht bald weltweit bekannt macht.

 

Tänzer fand die Fliege 2010 bei Ausgrabungen in Menard. Bis zum Frühjahr diesen Jahres war er davon ausgegangen, dass es eine normale Fliege ist. Doch dann traf er in Frankreich auf einen Spezialisten aus dem Pariser Naturkundemuseum. Beide kamen ins Gespräch und Tänzer beschrieb dem Fachmann den Fund. Wieder in Deutschland ließ Tänzer mit einer Spezialkamera ein Foto der Fliege anfertigen und schickte es nach Paris. Nach ersten Erkenntnissen könnte es sich bei dem Insekt um eine vorher nie entdeckten Art einer Raubfliege handeln, die sogenannte Diptera asilidae. Diese Gattung wurde bisher in dieser Form noch nie gefunden. Ihr Alter wird auf 56 Millionen Jahre geschätzt. Eventuell entdeckte Tänzer eine neue Art in der Familie der Zweiflügler. „Ein Ergebnis gibt es im Herbst“, berichtet er. Möglicherweise erhält der Name der neuen „alten“ Fliege einen Bezug zum Finder. Doch nicht nur die Fliege bereichert das Museum. Neu ist auch ein Aufguss eines Allosaurus-Fußes mit einer Größe von zwei Metern. Der Fuß steht in der Proportion zum bereits ausgestellten Kopf des Allosaurus. Gerade für jüngere Besucher ein faszinierenden Hinkucker.

 

Z Führungen durch das Aartal-Museum in Oberneisen sind nur nach Anmeldung möglich. Kontakt erhalten Interessierte über Frank Tänzer unter Telefon 06430/926 591 oder 0177/381 97 02.

 

Rh.-Lahn-Ztg. Diez vom Freitag, 26. Juli 2013, Seite 20

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