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Ein emotionaler Moment, der Jahrhunderte erklingt


Bild zur Meldung: Gespannt und von Emotionen begleitet, verfolgte die Delegation aus Oberneisen, Netzbach und Lohrheim das Gießen der Glocken. Als letzte wurde die Form der neuen Glocke mit dem Namen Liebe mit Bronze befüllt. Fotos: Uli Pohl



Delegation aus der Kirchengemeinde Oberneisen in Karlsruhe

 

Von Redakteur

Uli Pohl

 

„Ob die Glocken gelungen sind, werden wir erst in zwei bis drei Wochen sehen – und hören.“ Mit diesen Worten beschloss Albert Bachert, Inhaber der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe, den Guss von insgesamt neun Bronzeglocken. Drei davon sollen ab dem kommenden Frühjahr den Menschen in der Kirchengemeinde Oberneisen und der Umgebung nicht nur die Uhrzeit läuten, sondern sie über Jahrhunderte auf vielfache Art und Weise begleiten, so wie es die gusseisernen und im wahrsten Sinne des Wortes „angeschlagenen“ Vorgänger mit den Namen Glaube, Liebe und Hoffnung rund 90 Jahre lang getan haben.

Für die 39 Gemeindemitglieder aus Oberneisen, Netzbach und Lohrheim, die sich am Freitag auf den Weg in die seit 1725 im Familienbesitz befindliche Glockengießerei Bachert machten, war der Guss ein besonderer Moment voll andächtiger, spannungsgeladener und emotionaler Atmosphäre. Schließlich konnten sie das miterleben, wovon noch viele, viele Generationen nach ihnen zehren werden: Den Guss der drei neuen Glocken, die den Menschen in den kommenden Jahrhunderten ein Heimatgefühl vermitteln, sei es zu traurigen oder freudigen Anlässen, oder um einfach nur die Uhrzeit zu verkünden.

Beim Eintreffen der Delegation aus Oberneisen in Karlsruhe, warteten sieben bis acht Tonnen Bronze darauf, in die vorbereiteten und in Erde vergrabenen Glockenformen gegossen zu werden. Der rund 1000 Grad heiße Guss wurde über Kanäle und mittels Schieber zu den jeweiligen Formen geleitet. Christiane Bachert, Ehefrau des Firmeninhabers, beschrieb dazu die einzelnen Glocken in ihrer Größe und mit ihren Inschriften.

Eine Situation, die die Vorstellungskraft der Besucher aufs Äußerste forderte – schließlich verschwand die Bronze in neun Löchern in der vorbereiteten Erde, ohne dass am Ende ein fertiges Produkt zu sehen war. Das Ergebnis kommt in den nächsten Wochen ans Tageslicht. Am Freitag, 8. November, soll die größte und mit rund einer Tonne schwerste Glocke mit dem Namen Liebe ausgegraben werden. Auch diesen Moment will eine Abordnung aus der Kirchengemeinde Oberneisen nicht verpassen.

Über die Wintermonate bleiben die drei neuen Glocken zunächst in der Gießerei in Karlsruhe. Im März werden sie nach Oberneisen transportiert. „Es ist vorgesehen, Ende März mit dem Einbau der neuen Glocken zu beginnen. Am Palmsonntag 2014, 13. April, sollen sie zum ersten Mal erklingen“, berichtete Pfarrer Stefan Fischbach. „Dann werden zuvor etwa zwei Wochen keine Glocken läuten“, erklärte Fischbach weiter.

Mit dem Austausch der Glocken wird gleichzeitig auch der Glockenstuhl erneuert. Was mit dem alten Geläut geschieht, ist derzeit noch offen. „Sie bleiben uns auf jeden Fall erhalten. Sie besitzen für die Gemeinde einen hohen ideellen Wert. In welcher Form und wo sie künftig aufbewahrt oder genutzt werden, darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden“, sagte Stefan Fischbach abschließend.

 

Rh.-Lahn-Ztg. Diez vom Dienstag, 22. Oktober 2013

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Glocken gießen (DI, 22. Oktober 2013)