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Bester Stoff für ein brillantes Dorftheater


Bild zur Meldung: In dieser Szene wussten die im Stück spielenden Personen noch nicht, dass in der unglücklich an Waltraud Carthaser (liegend) ausprobierten Damenbartentfernung die Lösung der Finanzmisere zu finden ist. Foto: Uli Poh



Dreimal klingelte es, die Vorstellung wurde angekündigt. Schließlich schob sich der Vorhang leicht zur Seite. In der Turnhalle wurde es mucksmäuschenstill. Hiltrud Schäfer, die Vorsitzende des Turnvereins, trat ins Scheinwerferlicht und berichtete von einem ansteigenden Adrenalinspiegel der Akteure hinter den Kulissen. „Alle warten darauf, dass es endlich losgeht, nachdem es im ersten Anlauf im Frühjahr nicht geklappt hat. Doch jetzt sind wir soweit.“

Dass die Darsteller der Theatergruppe förmlich ihrem Auftritt entgegenfieberten war den ersten Spielszenen noch anzumerken. Doch mit zunehmender Spielzeit wich das Lampenfieber der Spielfreude. Am Ende des Dreiakters applaudierten die Zuschauer kräftig. Die Schauspieler ernteten den verdienten Lohn für die monatelangen Proben und die zwei Aufführungen in der Turnhalle.

Die Komödie „So ein Friseur hat’s schwör …“ war ihnen wie auf den Leib geschnitten. Die Geschichte vom Friseurgeschäft, dessen Zukunft mangels ausbleibender Kundschaft auf dem Spiel stand, spielte inOberneisen, wie der Blick aus dem Fenster des Bühnenbilds verriet. Dort waren Burgmauer und Rundkirche zu sehen.

Zur heimischen Atmosphäre trugen nicht nur die Dialoge im „Owwernaaser Platt“ bei. Immer wieder vermischten die Darsteller die Originalversion des Stücks mit Personen, Örtlichkeiten und Namen aus dem Dorf. Alles zusammen bester Stoff für ein brillantes Dorftheater. Die Geschichte ist kurz erzählt: Mit neuen Geschäftsideen sollte der altehrwürdige Friseurladen von Hubert Altenhofen einen Aufschwung erfahren. Betreiber eines Sonnenstudios, Tattooladens, Thaimassage-Salons und Yogastudios zogen als Untermieter in den Friseurladen ein. Hinzu kam der Verkauf von stimulierender Schokolade, die auch in den Pausen an die Zuschauer verteilt wurde. Doch alle Geschäftsideen entpuppten sich als Fehlschläge. Einzig das Patent zur Damenbartentfernung, das zu Beginn des Stücks bei der Ehefrau des Friseurs, Waltraud Carthaser, mehr schlecht als recht in der Praxis ausprobiert wurde, entpuppte sich als Rettung. Ein Schweinezüchter erwarb dieses Patent für viel Geld zur Entfernung von Schweineborsten, gleichbedeutend mit der finanziellen Rettung und dem Happy End, das natürlich nicht fehlen durfte.

Jeder Darsteller schlüpfte in die Rolle, die am besten zum jeweiligen Charakter passte. Hubert Altenhofen glänzte als grantiger und gewitzter Friseur. Waltraud Carthaser spielte seine Ehefrau, die ihn mal mehr, mal weniger unter der Fuchtel hatte. Für Johannes Fritz war es nach seinem Debüt in der Theatergruppe vor zwei Jahren, der zweite gelungene Auftritt in der ansonsten über viel Bühnenerfahrung verfügenden Truppe, die bewusst auf eine Regie verzichtet.

Die Rollenverteilung und die Spielszenen werden gemeinschaftlich vorbereitet, inklusive der beiden Souffleusen Julia Moos und Lieselotte Dietrich. Für die Theatergruppe aus dem TV Oberneisen war es bereits das 13. Stück, das auf der Bühne der Turnhalle präsentiert wurde. Das Ensemble und die Aufführungen sind ein wichtiger Bestandteil der lebendigen Dorfkultur.

 

Rh.-Lahn-Ztg. Diez vom Dienstag, 17. November 2015, Uli Pohl

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