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Reaktivierung ist und bleibt das wichtige Ziel

Oberneisen, den 06.05.2017

In diesem Jahr feiert der Arbeitskreis Aartalbahn sein 15-jähriges Bestehen. Der 2002 entstandene Arbeitskreis, der 2007 als eingetragener Verein mit Unterstützung des damaligen Landrats Günter Kern in Oberneisen gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, langfristig die Reaktivierung der gesamten Strecke der 1986 für den Personenverkehr stillgelegten Aartalbahn zwischen Limburg/Diez und Wiesbaden/Mainz zu erreichen. Anlass für den Vorsitzenden Manfred Nickel und seinen Stellvertreter Egon Reinhardt, Bilanz zu ziehen. Eine Bilanz mit etlichen Höhen und Tiefen.

 

„Der Reaktivierungsbeschluss liegt vor. Es fehlt an der Umsetzung“, fassen beide zusammen, bevor sie einen Rückblick auf die vergangenen Jahre werfen. „Der Kreistag des Rhein-Lahn-Kreises hat mit der lokalen Agenda 2010 auch die nachhaltige Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs einstimmig verabschiedet. Mit Freischneideaktionen zwischen Diez und Hohenstein und den sich anschließenden ersten Draisinenfahrten gelang es uns, die Strecke wieder mit Leben zu füllen. Wir wollten zunächst einen touristischen Verkehr initiieren“, berichtet Manfred Nickel. Dies sei jedoch zurückgestellt worden, als 2008 der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) beschloss, die Strecke wieder zu reaktivieren.

2012 erwarben die Verbandsgemeinden Hahnstätten und Diez die Strecke von der DB-Netz AG. Im gleichen Jahr erfolgte nach einer Ausschreibung die Vergabe der Verkehrsleistungen an die DB-Regio AG, die zwischen Limburg und Zollhaus ihre Züge auf die Gleise schicken sollte. Doch es kam anders: Bürger aus Holzheim zweifelten die Wirtschaftlichkeit der Reaktivierung an und schalteten den Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz ein. Das Infrastrukturministerium beauftragte daraufhin eine neue Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU), deren Ergebnis mit einem Wert von 1,79 deutlich über den geforderten 1,0 Punkten lag. Die Prüfung der NKU durch den Landesrechnungshof ist aber immer noch nicht abgeschlossen.

 

„Uns ist es vollkommen unverständlich, warum die Überprüfung sich so lange hinzieht“, äußern Nickel und Reinhardt ihren Unmut. Ebenso unverständlich ist es beiden, dass Mitglieder des Kreistags, die sich für die Reaktivierung aussprachen, jetzt gegen die Aartalbahn sind: „Immer wieder gibt es Störfeuer. Dafür haben wir kein Verständnis. Das geht an den Tatsachen vorbei und schadet den Menschen im Aartal.“

Nickel und Reinhardt machen noch einmal in aller Form deutlich, dass es sich bei der Reaktivierung um Bundesmittel handelt, die zweckgebunden für den Schienenpersonennahverkehr und die Reaktivierung einer Strecke auszugeben sind: „Wenn diese Mittel eine Region nicht haben will, werden sie an anderer Stelle verwendet.“ Und Manfred Nickel führt an: „Es wurden in Rheinland-Pfalz noch kürzere Strecken als die Aartalbahn mit 14 Kilometer wieder in Betrieb genommen. Ganz aktuell wollen Rheinland-Pfalz und das Saarland die 11 Kilometer lange Strecke zwischen Homburg und Zweibrücken reaktivieren und elektrifizieren.“ Nickel und Reinhardt sind sich sicher, dass nach der Überprüfung durch den Landesrechnungshof das Ergebnis der NKU nicht unter den erforderlichen Wert fällt: „Fachleute haben diese NKU ausgearbeitet. Die Zahlen sind nicht geschönt. Warum sollte sich jetzt noch etwas Gravierendes ändern?“ Es sei endlich an der Zeit, die bereitstehenden Bundesmittel im Aartal einzusetzen, wie es die Landesregierung im Koalitionsvertrag 2016 festgelegt habe.

 

Mehr Informationen gibt es im Internet unter

www.arbeitskreis-aartalbahn.de

 

RZ Rhein-Lahn-Kreis (Ost) Diez vom Samstag, 6. Mai 2017, Uli POhl