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Anlieger der Herbachstraße gegen Steinschlag geschützt

Oberneisen, den 24.03.2018

Zufrieden schauen Ortsbürgermeister Peter Pelk, Geologe Dr. Manuel Lauterbach und Bauleiter David Kochannek hinauf in den Fels: Sie stehen in Oberneisen vor dem Haus Herbachstraße 21 und begutachten die jüngste Sicherungsmaßnahme. Sechs Krallplatten sind mit Ankern von 2,90 Metern Länge in der Porphyritwand befestigt, jede Ankeröse kann Zug- und Scherkräfte von 15 Tonnen halten. „Jedes Gestein verhält sich anders. Dieses ist kleinklüftig an der Oberfläche, aber sehr hart ab etwa einem Meter Tiefe“, erklärt Lauterbach.

Entsprechend haben die Spezialisten der Firma Schneider mehrere Stunden gebraucht, um das Loch für jeweils einen Anker zu bohren. Dazu haben sie sich von den Bäumen oberhalb der Felswand abgeseilt. Es sei nicht schwieriger, am Seil zu bohren als im Stand, sagt Kochannek: „Mit entsprechender Erfahrung weiß man sein Körpergewicht einzusetzen, sodass das Bohren sogar leichter fällt“, erklärt er.

Auch für das Gestein muss der Mann am Pressluftbohrer ein Gespür haben. Kochannek ist seit 17 Jahren in dem Metier tätig. So hört und fühlt er rechtzeitig, wenn sich die Beschaffenheit des Steins ändert. „Das ist gerade bei so hartem Gestein wichtig“, betont er: „Sonst kann sich der Bohrer verkanten und ist nur sehr schwierig wieder herauszubekommen.“ Verspannt sind die sechs Anker mit drei Stahlseilen. Erforderlich geworden ist diese besondere Sicherung auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern, weil ein größerer Gesteinsblock drohte, sich von der Wand zu lösen. Quer über diese Felsnase sind die drei Seile gespannt, die sie halten.

Zudem wird die gesamte Felswand von einem hochfesten Stahldrahtgeflecht überzogen, welches auch kleinere Abplatzungen zurückhält. „Es handelt sich hier um ein Schweizer Spezialprodukt“, erklärt Kochannek. Insgesamt wurden bei dieser zweiten von drei im Zweijahresrhythmus geplanten Sicherungsmaßnahmen drei Schritte vollzogen: Neben der beschriebenen Absturzsicherung des Gesteinsbrockens haben die Spezialisten abgelöste Steine, die sich hinter dem Stahlnetz gesammelt haben, entfernt und zudem einen weiteren Fangzaun installiert.

Die sogenannten Schottersäcke zu leeren, zählt zu den regelmäßigen Unterhaltungsarbeiten an der gesicherten Wand. „Das abgelöste Gestein sammelt sich am Fuß des Felsens hinter dem Stahlgeflecht und beult dieses aus“, erklärt Geologe Lauterbach. Damit der Draht nicht dauerhaft verformt oder beschädigt wird, müssen die Brocken entfernt werden. Dazu wird das Netz geöffnet, der „Schotter“ entnommen und das Netz wieder zugeflochten. Rund zwölf Quadratmeter Fläche wurden diesmal auf diese Weise bereinigt: „Etwa zwei Kubikmeter Gestein dürften das gewesen sein“, so schätzen Lauterbach und Kochannek.

Beginnend bei Nummer 21, aber insbesondere oberhalb des Anwesens Nummer 17 ging es um die Anbringung von Fangzäunen oberhalb der Felswand: „Hier haben schon gelegentlich größere Gesteinsbrocken im Hof gelegen“, schildert Ortschef Pelk. Diese hatten sich nicht aus der Wand gelöst, sondern waren aus dem darüberliegenden Abhang heruntergerollt. Um solchen Steinschlag künftig zu vermeiden, wurden Haltestangen wiederum im Fels verankert und jede zweite zusätzlich nach hinten verspannt, um den Zaun und eventuell auftreffendes Gestein zu halten. Auch hinter den Fangzäunen muss angesammeltes Geröll regelmäßig geräumt werden – und auch dort kann dies wegen der Steillage nur von Fachkräften getan werden.

Die aktuellen Arbeiten haben rund 27 000 Euro gekostet, sagt der Ortsbürgermeister. Er ist froh, dass rund die Hälfte der Kosten für diese Sicherungsmaßnahmen bislang stets aus dem Investitionsstock des Landes finanziert werden. Denn die nächste Maßnahme steht schon fest, und sie wird noch einmal aufwendiger und teurer: Rund 50 000 Euro werden spätestens 2020 in die Unterhaltung der Felssicherung investiert werden müssen.

 

RZ Rhein-Lahn-Kreis (Ost) Diez vom Samstag, 24. März 2018, Katrin Maue-Klaeser