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Stolpersteine wirken gegen das Vergessen

Oberneisen, den 26.10.2018

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in die Bürgersteige einlässt. Inzwischen liegen über 70 000 Stolpersteine in 1265 Orten Deutschlands und in 21 Ländern Europas. Der 70 000. wurde am Dienstag, 23. Oktober, in Frankfurt verlegt. Befragt, welche Bedeutung diese Zahl für Demnig besitze, antwortete dieser während der Verlegung in Frankfurt: „Vor dem Hintergrund dieses Projekts ist es immer schwer zu sagen: Ich freue mich. Der Hintergrund ist kein Grund zur Freude. Denn letztendlich sind 70 000 Steine 70 000 zu viel.“

Auch im Bereich der Verbandsgemeinde Hahnstätten hat sich im vergangenen Jahr ein Arbeitskreis (AK) Stolpersteine gegründet. In ihm sind historisch interessierte Menschen, Lokalforscher, Mitglieder von Vereinen, Verbänden und den Kirchen vertreten. Deren gemeinsames Ziel war und ist es, den bisher nur zum Teil namentlich bekannten Opfern aus dem Bereich der Verbandsgemeinde Hahnstätten durch Erarbeitung der Biografien ein Gesicht und damit ihre Würde und ein Stück Individualität wiederzugeben, die ihnen durch ein unmenschliches System genommen wurde. Seit der Gründung des AK konnten von elf Opfern deren Schicksal geklärt werden (es handelt sich dabei sowohl um Euthanasie- als auch jüdische Opfer). Somit kommt es am Freitag, 2. November, in Hahnstätten, Flacht, Oberneisen und Burgschwalbach zu den ersten Verlegeaktionen, die von Gunter Demnig persönlich durchgeführt werden.

 

Am vergangenen Mittwoch fand im Dorfgemeinschaftshaus in Hahnstätten eine vielbeachtete und stark besuchte Informationsveranstaltung des AK statt, bei der nach der Begrüßung durch VG-Bürgermeister Volker Satony, einer inhaltlichen Vorstellung des Projektes durch die Referentin und wissenschaftliche Begleiterin Martina Hartmann-Menz (Elz), sowie der Vorstellung der AK-Mitglieder, letztere die erarbeiteten Biografien der elf Opfer verlasen. Größten Respekt zollte Martina Hartmann-Menz den Zehntklässlern der Realschule plus, die zur Infoveranstaltung eine umfangreiche Plakatausstellung präsentierten. Hartmann-Menz: „Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus muss aufrechterhalten werden.“ Was mit all diesen Menschen geschehen sei, dürfe nicht in Vergessenheit geraten – gerade in unseren jetzigen, so unruhigen Zeiten. „Unsere Demokratie, die so mühevoll aufgebaut wurde, ist in Gefahr“, mahnte sie. Deshalb sei es wichtig, Zeichen zu setzen – so wie es die jungen Leute der Realschule tun – und wie es mit den Stolpersteinen geschieht.

 

Verlegetermine sind am Freitag, 2. November, um 13.30 Uhr, Hauptstraße 17 in Flacht, Stolperstein für Julius Saalberg und Stolperstein für Hermann Bruchhäuser. Weiter geht es in Flacht um 14.30 Uhr in der Hauptstraße 45 a, mit Stolpersteinen für Gertrud, Arthur und Edith Grünfeld. In Oberneisen folgt um 15.15 Uhr in der Grebenstraße 11 ein Stolperstein für Maria Weyl. In Hahnstätten werden um 16 Uhr in der Netzbacher Straße 6 Gedenksteine für Gerda, Clotilde und Louis Strauß sowie Moritz Adler verlegt. Ein letzter Termin ist in Burgschwalbach um 17 Uhr in der Panröder Straße 36, wo an Willi Biebricher erinnert wird.

 

RZ Rhein-Lahn-Kreis (Ost) Diez vom Freitag, 26. Oktober 2018, Rolf Kahl

 

Foto: Wie in Limburg werden zukünftig auch in Hahnstätten, Flacht, Oberneisen und Burgschwalbach Stolpersteine zu finden sein.