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Bronzene Glocken


Bild zur Meldung: Bronzene Glocken



. . . für die Oberneisener Rundkirche

 

Im Jahre 2019 wird die Rundkirche von Oberneisen 200 Jahre alt. Dann sollen bronzene Glocken läuten.

Von Rolf-Peter Kahl

 

Die Rundkirche Oberneisen wird liebevoll auch der Dom des Aartals genannt. Sie ist eine der wenigen Rundkirchen nördlich der Alpen und gar die einzige, deren Altar mittig im Raum aufgestellt ist. Der 1817 bis 1819 errichtete Bau gilt als Meisterwerk des Klassizismus und ist wahrscheinlich der bedeutendste klassizistische Sakralbau im Taunus. Geschickt in den Bau integriert wurde der romanische Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert. Der Turm birgt eine Uhr, deren großer Zeiger einen Meter lang ist und drei Eisenhartgussglocken (Glaube, Liebe, Hoffnung genannt), die 1923 in Bockenem im Harz gegossen wurden.

 

 

Große Sorgen

 

Und diese Glocken bereiten den Bürgern der Aargemeinde seit geraumer Zeit große Sorgen. Prinzipiell geht man in der Fachwelt bei Eisenhartgussglocken wegen dieses ungeeigneten kurzlebigen Werkstoffs von einer maximalen Lebensdauer von etwa 80 bis 90 Jahren aus.

Die Glocken sind rein äußerlich bereits stark korrodiert. Rostschutzmaßnahmen einzuleiten, würde zu keinem messbaren Erfolg führen. Im wahrsten Sinne des Wortes bliebe es nämlich bei einem oberflächlichen Schutz der Glocken. "Die Glocken haben ausgedient", so Pfarrer Stefan Fischbach. Dass die Kirche ein neues Geläut benötigt, bestätigt auch Martha Friedrichs: "Das ist dringend nötig", betonte sie und verwies darauf, dass die Stahlgussglocken, die ihnen zugestandene Lebenszeit eigentlich schon erreicht, beziehungsweise überschritten haben.

Der jahrzehntelange Aufprall von Eisen auf Eisen habe Schäden hinterlassen. Sie läuteten zwar noch, aber nicht mehr so schön, wie es die Kirchgemeinde gern hätte. "Die Glocken sind ausgeschlagen", sagt sie und dies registrierten 2007 schon die Fachleute eines Wartungsteams die Verschleißerscheinungen im Guss bemerkten – an der Stelle, an der der Klöppel den Ton erzeugt. Die Glocken wurden gedreht, und das Team sprach damals von einer maximalen Lebenszeit von noch zehn Jahren. Mit jedem Läuten hämmern die Klöppel seitdem weiter in die Glocken, so dass diese im schlimmsten Fall springen oder reißen könnten. "Dann müssten wir sie vorzeitig ruhig stellen", so Andre Peil, der drei Jahre als Glöckner in der Kirche aktiv war.

 

Noch fünf Jahre

 

"Aus sicherheitstechnischen und auch aus klanglichen Gründen führt an einer Stilllegung der bestehenden Glockenanlage im Laufe der kommenden fünf Jahren kein Weg vorbei", präzisierte Pfarrer Fischbach.

Es ist also 15 Minuten vor zwölf. Deshalb haben sich Sigi und Michael Friedrichs, Martha Friedrichs, Anke Isselbächer, Pfarrer Stefan Fischbach und Andre Peil zu einem Glockenausschuss zusammengefunden, der es sich zur Aufgabe macht, die bisher gesammelten Spendengelder in Höhe von 39 505 Euro auf die für die neuen Glocken notwendigen 100 000 Euro aufzustocken. Der federführende Leiter des Ausschusses, Andre Peil: "Zu den laufenden Aktionen wie Besuchs- und Hochzeitsspenden, Eintrittsgelder bei Kirchenführungen oder Adventsaktionen der Landfrauen an der Burgmauer, wollen wir mit neuen Ideen weitere Geldquellen öffnen."

 

Spender gesucht

 

Benefizkonzerte, Gemeindefeste, Basare oder der Verkauf von Merchandising-Artikeln sind angedacht. Die Ausschussmitglieder sind fest davon überzeugt, dass die Gläubigen gern bereit sind, für ihre Kirchenglocken zu spenden. Das Thema sei "emotional hoch besetzt", denn: "Wenn die Glocken nicht mehr läuten, fehlt den Menschen schon etwas."

Über die örtliche Gemeinde hinaus sei jedoch ein noch stärkeres Engagement der Gesamtgesellschaft wünschenswert, sagt Peil. Ob er dabei an Glockenpatenschaften größerer, finanzkräftiger Unternehmen gedacht hat?

Neue Ausschussmitglieder, weitere interessierte Bürger und vor allem Spender sind willkommen und zu den nächsten Treffen am Dienstag, 19. Juli, und am Dienstag, 16. August (jeweils um 18 Uhr im Gemeindehaus in Oberneisen), eingeladen.nnp

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