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Bedarf an Strukturreformen ist gesättigt


Bild zur Meldung: Dekan Christian Dolke (links) begrüßte den neuen Propst für Süd-Nassau, Oliver Albrecht, zur Pfarrkonferenz des evangelischen Dekanats Diez. Gastgeber war diesmal die Kirchengemeinde Oberneisen, deren Pfarrer Stefan Fischbach (rechts) demnächst nach Nassa



Exakt am 80. Tag nach seinem Amtsantritt hat der neue Propst für Süd-Nassau Oliver Albrecht erstmals die Dekanatskonferenz des evangelischen Dekanats Diez besucht. In dem Gremium tauschen sich unter Leitung von Dekan Christian Dolke Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Angestellte des Dekanats regelmäßig aus. Im evangelischen Gemeindehaus von Oberneisen nannte Albrecht die Zuwendung zu den Menschen statt zu den Strukturen, die Seelsorge in der Pfarrerschaft sowie eine engere Verzahnung zwischen Diakonie und Mission als drei ihm wichtige Anliegen.

„Der Bedarf an Strukturreformen ist gesättigt“, sagte der Theologe und warnte vor „zeitraubenden Selbstbeschäftigungsritualen“. „Ich würde mir wünschen, dass wir uns mit der gleichen Energie, die wir in die Strukturreform gesteckt haben, auch den Menschen zuwenden können.“ Eine seiner vornehmsten Aufgaben sieht der Vertreter der Kirchenleitung in der Seelsorge in der Pfarrerschaft. Außerdem ist ihm daran gelegen, die beiden starken Säulen in der Landeskirche enger miteinander zu verzahnen: Eine stark fromme Fraktion und die gesellschaftspolitische Fraktion möchte er stärker miteinander ins Gespräch bringen. Gerade die Flüchtlingsarbeit, in der Kirchengemeinden derzeit Pionierarbeit leisten würden, sowie die Tafeln in der Region zeigten, wie eng und positiv Kirche und Diakonie zusammenarbeiten können und dabei große Unterstützung und Akzeptanz in den Gemeinden finden. Mit seinem Besuch der Konferenz wolle er vor allem aber erfahren, wo im Dekanat Diez der Schuh drückt. So wurde über die richtige Balance zwischen notwendigen Verwaltungsaufgaben sowie seelsorgerischen und theologisch inhaltlichen Aufgaben diskutiert und wie die Attraktivität ländlicher Pfarrämter erhalten bleibt. Auch Kritik an den jüngsten Beschlüssen und Plänen der Kirchensynode wurden geäußert, etwa, dass die Kindergärten bei der Pfarrstellenbemessung nicht mehr berücksichtigt werden, obwohl sie für Pfarrer und Kirchenvorstände sehr arbeitsintensiv seien. Gewarnt wurde auch vor einer Zentralisierung im Bereich von Kindertagesstätten und Sozialstationen, die durch ihre Verwurzelung in der Region einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung hätten.

Mit vielen Anregungen im Gepäck trat Albrecht seine Rückreise von der Aar in das Propsteibüro für Süd-Nassau nach Wiesbaden an. Ob die hessische Hauptstadt für das künftige Dekanat Nassauer Land weiterhin zuständig bleibt, war ebenfalls noch ein Thema des Vormittags. Albrecht hatte der Runde noch einmal den derzeitigen Planungsstand nach der jüngsten Landessynode in Sachen Propstei-Neuordnung und die möglichen drei Alternativen erläutert: „Danach soll Ihr Dekanat entweder der Propstei Rheinhessen oder Nord-Nassau zugeordnet werden oder es bleibt alles, wie es ist.“

 

Rh.-Lahn-Ztg. Diez vom Montag, 1. Juni 2015

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