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Aartal-Museum bietet Geschichte zum Anfassen


Bild zur Meldung: Frank Tänzer mit der rund 210 Millionen Jahre alten und von ihm präparierten Baumscheibe. Sie bildet unter den neuen Exponaten eine Besonderheit. Für Kinder ist der Schädel eines Allosaurus immer ein besonderer Blickfang. Fotos: Uli Pohl



In dieser Woche ist Frank Tänzer mit seiner Frau Yvonne und Tochter Ronja im Urlaub. Das Ziel ist die Region um Clermont-Ferrand in Frankreich. Diesen Urlaub verbindet der 42-Jährige mit seinem Hobby, der Sammlung von Fossilien und Mineralien. In der Region war Frank Tänzer schon mehrfach unterwegs, um in einem Maar versteinerte Zeitzeugen aus verschiedenen Epochen des Erdzeitalters auszugraben. „Schön wäre es, wenn ich einen Säuger entdecken würde“, sagte er kurz vor seiner Abreise.

Im September 2011 eröffnete Tänzer in dem landwirtschaftlichen Gehöft in Oberneisen das Aartal-Museum. In der ehemalige Kornkammer sind in 22 Vitrinen rund 300 Exponate zu sehen. Die ältesten Funde sind 550 Millionen, die jüngsten „nur“ 40 Millionen Jahre alt. Rund 1000 Besucher kamen in den vergangenen vier Jahren in seine private Schatzkammer. Meist in Gruppen, waren es vor allem Schulklassen und Vorschulkinder, die in der Hauptstraße 18 zu einer kleinen Reise durch die Erdzeitalter aufbrachen. Doch auch andere Besucher aus ganz Deutschland, die sich mit der Paläontologie beschäftigen, kommen nach Oberneisen. Sein Museum ist ein Gewinn für das gesamte Aartal.

Die Paläontologie ist die Wissenschaft über Lebewesen vergangener Erdzeitalter. Gegenstand der Forschung sind Fossilien, die in Sedimentgesteinen vorkommen und weitere Hinweise auf vorzeitliche Lebewesen. Frank Tänzer ist Mitbegründer des Vereins Palaeo Geo, der bundesweit rund 100 Mitglieder zählt. Ein Zusammenschluss von Hobbysammlern, die sich auf die Suche nach Fossilien begeben. Zudem übernimmt der Verein wissenschaftliche Studien für Institute.

 

Mit seinem Aartal-Museum ging für den als Programmierer beruflich tätigen ein von ihm lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Nach Oberneisen zog es ihn 2006. Mit ausschlaggebend für den Kauf des ehemaligen Bauernhofs waren die vorhandenen Räumlichkeiten für sein Museum. Dort sind wieder einige Exponate hinzugekommen, die er zum Teil selbst in seiner Werkstatt präparierte. Andere kauft oder tauscht er auf Börsen, so wie jüngst eine neue Baumscheibe aus Arizona in den USA. Sie stammt aus dem Trias und ist circa 210 Millionen Jahre alt. Die Baumscheibe hat er selbst aufgearbeitet und bildet ein neues Schmuckstück in seiner Sammlung. Ebenfalls neu sind zwei Ammoniten aus Madagaskar. Sie stammen aus der Kreidezeit, sind etwa 105 Millionen Jahre alt. Ammoniten sind eine ausgestorbene Art von im Meer lebenden Kopffüßern.

Noch in Arbeit ist die Untersuchung einer Fliege, die Tänzer während einer Expedition in Zentralfrankreich entdeckte. Zunächst war er davon ausgegangen, dass es eine normale Fliege ist. Wieder in Deutschland, ließ Tänzer mit einer Spezialkamera ein Foto der Fliege anfertigen und schickte es zu Untersuchungen in das Pariser Naturkundemuseum. Das Alter der Fliege wird auf 56 Millionen Jahre geschätzt. Sind die Untersuchungen abgeschlossen, wird die Fliege, wahrscheinlich handelt es sich um eine zuvor nie entdeckte Art einer Raubfliege, Teil einer Publikation des Naturkundemuseums.

 

Führungen durch das Aartal-Museum sind nur nach Anmeldung möglich. Kontakt über Frank Tänzer, Telefon 06430/ 926 591 oder 0177/381 97 02. Mehr Infos im Internet unter www.aartal museum.de

Rh.-Lahn-Ztg. Diez vom Dienstag, 25. August 2015, Uli Pohl

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